Felsenklöster und Bienenfresser
geschrieben am 28. September 2009 um 21:17 von 4x4eastward
Der Nistru oder Dnjestr blieb unser Leitweg, auch wenn wir immer wieder einige seiner Mäander abkürzten. Er brachte uns auch zu einer weiteren Besonderheit der moldawischen Kultur, den Felsenhöhlen, oder besser gesagt Felsenklöstern. Ja man denkt an Griechenland, wenn man dieses Wort hört und genauso alt sind auch manche dieser Höhlen. Der weiche Kalkstein auf der hohen Uferseite diente den Menschen schon Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung als Zufluchtsort. Später dann haben Mönche diesen Stein genutzt, sich vor islamischen Invasoren zu schützen, oder als Einsiedler zu leben. In Rezina steht eine solche Klostersiedlung am Nistru unter dem Schutz der UNESCO.



Es war Anfang August und Zeit für die Getreideernte. Wie auch immer es zu verstehen ist, auf den Feldern fuhren Mähdrescher und LKWs transportierten das Getreide ab. Doch am Feldrand standen immer wieder PKW die mit leeren Säcken auf ihren Teil warteten. Auf den Dorfstrassen beobachteten wir mehr als ein Schwerlastfahrrad, voll gepackt mit Mehlsäcken. Überhaupt schien zu dieser Jahreszeit ganz Moldawien damit beschäftigt zu sein, die Ernte einzumachen. Am Straßenrand Stände mit köstlichen Melonen und Wassermelonen, noch fruchtigen Tomaten, frisch geernteten Auberginen, Paprika, Weintrauben und Einmachgläsern.

Nach all den Tagen der Reise durch die Provinz entschieden wir uns der Stadt einen Besuch abzustatten. Eigentlich gibt es in ganz Moldawien nur eine Stadt und das ist die Hauptstadt Chisinau mit 700000 Einwohnern. Also fuhren wir hin, um einen Eindruck mitzunehmen. Während wir uns unseren Weg durch den recht dichten Hauptstadtverkehr suchen, wird links und rechts von uns gewunken und gehupt. So schmutzige Autos fallen halt auf und werden gegrüßt. Ach so und welchen Eindruck hat die Hauptstadt auf uns hinterlassen? Es war eine andere Welt. Eine Welt, die nichts gemein hat mit den Dörfern, den Einmachgläsern, den Pferdefuhrwerken und ausgefahrenen Wegen. Chisinau ist eine quirlige, lebendige Stadt, die auch in jedem anderen Teil Europas liegen könnte. Gleich neben dem Rathaus der Kunsthandwerk- und Kitschmarkt, Straßenstände, ein Skytower und… Nur die Buchhandlungen waren aus unersichtlichem Grund geschlossen, was unseren Plan, gute Karten zu kaufen, vereitelte.




An diesem Tag haben wir unseren Fluss nicht wieder erreicht. Wir suchten uns einen schönen Platz in einer alten Kiesgrube und lauschten den Bienenfressern. Einer Vogelart, die wie die Mönche seit alters her ihre Brutlöcher in die Böschungen graben und die, wie die Mönche in Kolonien leben.



















































